Resultate

Gemäss neuem Humanforschungsgesetz (vom 30. September 2011, Stand am 1. Januar 2014)1 sind wir nicht berechtigt, die erhobenen Daten zu veröffentlichen. Die relativ hohe Hürde einer wissenschaftlichen Studie kann leider nur mit einem grossen personellen und finanziellen Aufwand bewältigt werden. Wie weiter vorne erwähnt, handelt es sich hier formaljuristisch um die Auswertung individueller Heilversuche.

Insbesondere folgende Kriterien einer wissenschaftlichen Untersuchung sind nicht erfüllt:

  • die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung
  • die Randomisierung zum Vergleich mit konventionellen Entzugsmethoden
  • die Prüfung durch eine Ethikkommission.

Dennoch sind wir der Meinung, dass die erzielten Erkenntnisse nicht einfach in einer Schublade verschwinden sollten, und stellen die detaillierten Resultate interessierten Personen zur Einsicht zur Verfügung, denn:

  • Alle Patienten gaben ihr schriftliches Einverständnis einerseits zur Behandlung, andererseits zur Verwendung der anonymisierten Resultate für wissenschaftliche Zwecke.
  • Jeder Behandlungsschritt unterliegt der ärztlichen Sorgfaltspflicht.
  • Die Resultate sind derart erstaunlich, dass das ihnen zugrundeliegende medizinische Verfahren gemäss der  gesetzlichen Grundlage niemandem vorenthalten werden darf.
  • Das Projekt ANR Schweiz erfüllt einen gesetzlichen Auftrag.
  • «Wer heilt, hat recht.» (Zitat eines psychiatrischen Chefarztes im Anschluss an eine Präsentation von ANR)

Im Verlauf der ersten Behandlungszyklen wurden den Patienten Fragebogen (siehe Anhang) ausgehändigt, auf denen sie anhand einer Skala von 0 bis 10 ihr Befinden einschätzen sollten. Dabei wurden folgende drei Parameter erfasst:

  • Craving-Scale (Ausmass des «Reissens» nach Opioiden)
  • psychisches Wohlbefinden
  • körperliches Wohlbefinden.

Unmittelbar nach der Behandlung gaben die Patienten an, praktisch kein Craving mehr zu verspüren. Im weiteren Verlauf pendelte sich der Wert zwischen 0 und 1 ein.

Ebenso gaben die Patienten an, das psychische Wohlbefinden verbessere sich von Tag zu Tag. Dabei spielte insbesondere der Vergleich mit früheren Entzugserfahrungen eine ausschlaggebende Rolle.

Nach einer postinterventionellen Senke verbesserte sich auch das körperliche Wohlbefinden zusehends. Auch hier stellen praktisch alle Patienten einen bedeutenden Unterschied zu früheren Entzugserfahrungen fest.

Diese drei Grafiken illustrieren sehr schön, was ANR von herkömmlichen Entzugsverfahren unterscheidet. Der Hauptunterschied besteht im Wegfall des «Cravings» bei nahezu 95 % der Patienten! Das «Craving» ist auch mehrere Wochen nach einem konventionellen Entzug immer noch mehr oder weniger latent vorhanden und kann unter Umständen noch während Jahren persistieren. Dies dürfte eine Haupterklärung für die hohe Rückfallquote nach «normalen» Entzügen sein.

Ebenso ist bei ANR das psychische Wohlbefinden rascher wieder im Lot. Hier spielt sicher auch der Wegfall des «Reissens» und somit eines signifikanten Stressfaktors beim normalen Entzug eine wesentliche Rolle.

Im Rahmen eines herkömmlichen Entzugs verschlechtert sich das körperliche Wohlbefinden während Tagen bis Wochen und erholt sich danach erst zögerlich. Das hat unter anderem mit der verzögerten Endorphin-Stimulation zu tun. Diese scheint nach ANR rascher wieder zu funktionieren.

Rund vier Jahre nach den ersten Behandlungen von Patienten im Rahmen des Pilotprojekts ANR Schweiz blicken wir auf eine äusserst spannende und lehrreiche Zeit zurück. Besonders erwähnenswert ist die erfolgreiche Behandlung von Menschen, die vor ANR bereits unzählige Entzugsversuche hinter sich hatten und zum Teil als «hoffnungslose Fälle» galten.

Zur Auswertung der Resultate

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