Wie funktioniert ANR?

ANR ist ein medikamentöses Verfahren für den Opioidentzug, welches unter Narkose in einem Spital durchgeführt wird.

Das ausführliche Dokument zum Ablauf der Behandlung finden Sie hier.

Die Behandlung umfasst vier Schritte:

  • Information, Screening und Vorabklärungen
  • Klärung der Finanzierung
  • Behandlung auf der Intensivstation
  • Nachbetreuung

Information, Screening und Vorabklärungen

Einer der wichtigsten Schritte zum Behandlungserfolg ist eine ausführliche Information über das Verfahren. Dieser Erstkontakt findet in der Regel in der Praxis Dr. Beutler in Thun statt.

Das Screening im Spital Interlaken besteht aus einem ausführlichen Gespräch mit der zuständigen Anästhesistin Frau Dr. Manndorff, sowie einer psychiatrisch/psychologischen Erhebung im Psychiatrischen Dienst der Spitäler FMI (in der Regel Dr. Ihde oder Frau Dr. Meisters). Nach Möglichkeit finden diese beiden Gespräche am selben Tag in Interlaken statt.

Am Anfang steht eine ausführliche Anamneseerhebung. Diese dient der Erfassung allfälliger relevanter Nebenerkrankungen, Medikamenten-Unverträglichkeiten oder -Allergien und potentieller Risiken beim Anästhesieverfahren. Weiter sollen der psychosoziale Hintergrund, wichtige biografische Daten, sowie Ressourcen für die weitere Behandlung erfasst und dokumentiert werden.

Danach wird anhand der Anamnese und/oder den Angaben von Zuweisenden eine Laboruntersuchung angeordnet und es erfolgt eine körperliche Untersuchung, sowie ein EKG und ev. eine Spirometrie. Je nach Befund dieser Abklärungen werden allfällige weitere Tests (Röntgen, Echokardiografie, Ultraschall, etc..) durchgeführt. Diese Abklärungen können in der Regel beim Hausarzt gemacht werden.

Klärung der Finanzierung

Da das ANR Verfahren in der Schweiz (noch) nicht von den Krankenkassen bezahlt wird, muss es in der Regel privat finanziert werden. Wir sind Ihnen bei der Klärung der Finanzierungsmöglichkeiten gerne behilflich.

Unter folgendem Link finden Sie eine Zusammenstellung der Behandlungskosten, sowie eine Auflistung derjenigen Leistungen, die über die Krankenkasse abgerechnet werden können.

Bitte beachten Sie, dass der gesamte Betrag spätestens eine Woche vor Behandlungsbeginn einbezahlt werden muss. Hier finden Sie die Kontoinformationen.

Behandlung

Für das ANR-Verfahren ist ein Team mit einem erfahrenen Anästhesisten und einer Anästhesie- oder Intensivpflegefachperson zuständig.

Vor dem eigentlichen ANR-Verfahren werden Substanzen zur Stabilisierung, resp. Regulierung des Kreislaufsystems verabreicht. Dies dient der Kontrolle der Stressreaktionen (z.B. Blutdruck- und Pulsanstieg, etc..) während dem Entzugsverfahren. Während dieser Phase werden auch die noch im Körper (v.a. im Fett- und Knochengewebe) vorhandenen Opioide durch ein Ansäuern des Stoffwesels mit Ascorbinsäure (Vitamin C) mobilisiert.

Danach wird der Patient schrittweise sediert, für ca. 5 bis 6 (selten länger) Stunden in einen Tiefschlaf versetzt und dabei auf der Intensivstation bezüglich Vitalfunktionen kontinuierlich überwacht.

Während dieser Zeit werden in mehreren Zyklen die Opiatrezeptoren geblockt und so einerseits das Entzugsverfahren eingeleitet, andererseits die Regulation der Opioidrezeptoren angestrebt. Das geschieht durch eine fraktionierte u.a. aufgrund der individuellen Substanzenanamnese ermittelte Dosis Naltrexin®. Nach jedem solchen Behandlungsschritt wird die Adaptation mit Erreichen eines stabilen Zustandes (steady state) angestrebt.

Danach werden die Patienten schrittweise geweckt und weiter überwacht. Je nach Verlauf können sie schon bald von der Intensivstation auf die Normalstation verlegt werden.

Nachbetreuung

Am Tag nach dem ANR-Verfahren beginnt die Konsolidierungsbehandlung mit Naltrexin® in Form einer täglichen Einnahme in Tablettenform. Diese gewährleistet die anhaltende Blockade der Rezeptoren und verhindert so ein Wiederaufflammen des Verlangens nach Opiaten. Auch hier erfolgen die Dosierung und die Dauer der Naltrexon-Behandlung individuell.

In den folgenden Tagen werden die Patienten angehalten, möglichst rasch wieder zu einer normalen Lebensroutine mit regelmäßiger Nahrungsaufnahme und angemessener körperlicher Aktivität zurückzukehren. Das dient u.a. der physiologischen «Induktion» des endogenen Opiatsystems, d.h. der Körper, resp. die Körperwahrnehmung soll wieder auf einen normalen Level geeicht werden.

Nach ca. 12 bis 18 Monaten kann die Naltrexon-Behandlung in der Regel abgesetzt werden und die Opiatabhängigkeit ist nicht mehr vorhanden.

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